Alkoholentzug Nebenwirkungen Lindern

Entzug von Alkohol Nebenwirkungen Linderung

Außerdem habe ich ab und zu zwei Flaschen Bier zum Trinken bekommen, weil kleine Mengen Ethanol die Entzugsfolgen mildern. Als Alternative kann der Einsatz des Wirkstoffs Promethazin (z.B. Atosil), aber auch hier können Nebenwirkungen auftreten. Diese sollen an erregenden Synapsen in den Glutamatstoffwechsel eingreifen und so das Verlangen lindern.

Schließlich hat jedes Symptom eine Ursache, wo auch immer es herkommt, und das muss untersucht und gelindert werden, mit oder ohne Alkohol. Nochmals: Was kann auf eine Alkoholkrankheit hinweisen, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind?

Neuer Weg zur Bekämpfung des Alkoholismus

Reiner Rückzug hilft den geringsten Alkoholikern. Arzneimittel können die Absetzung fördern, aber es gibt noch wenige Möglichkeiten. Die Enthaltsamkeit galt in der Bundesrepublik immer noch als oberstes Ziel der Behandlung von Suchtpatienten, so Priv. Wenn sich die Behandlung jedoch auf den physischen Rückzug begrenzt, wie es oft von den Kostenträgern gefordert wird, dann treten etwa fünf von sechs Süchtigen in einem Jahr zurück, meint er in der vorliegenden Nummer der Fachzeitschrift "NeuroTransmitter" (2011; 3:38).

Die weitere Behandlung, wie die ambulante Absetzung, findet jedoch nur bei ein bis zwei Prozentpunkten der Süchtigen statt. Dies ist jedoch viel gelungener, da Untersuchungen gezeigt haben, dass es möglich ist, einjährige Abstinenzraten von 32 bis 55 % zu erreichen. Eine medikamentöse Behandlung kann auch die Absetzung fördern. Neben Acamprosate (Campral®) wurde kürzlich ein Naltrexonpräparat (Adepend®) für die Absetzung von Alkoholabhängigen in der Bundesrepublik freigegeben.

Ein solcher Ansatz ist bei der Naltrexontherapie gar erforderlich, um Rückgriffsansprüche zu unterdrücken. Allerdings kritisiert er, dass viele Mediziner trotz der genehmigten Absetzpräparate auf eine medikamentöse Behandlung zur Rezidivprophylaxe verzichteten, was oft darauf zurückzuführen ist, dass kein umfassender Behandlungsplan vorliegt. Dazu werden zurzeit mehrere neue und auch bekanntere Arzneimittel in Untersuchungen getestet:

Untersuchungen haben gezeigt, dass Opiatrezeptor-Antagonisten wie z. B. Napoleon die von Alkoholikern getrunkene Menge signifikant mindern. Die Depot- und Verzögerungsformulierungen von Naltrexone sollen ebenfalls die Einhaltung der Vorschriften erleichtern. Zum Beispiel gibt es jetzt eine intramuskulöse Depot-Formulierung von Napalm. Allerdings ist es sehr kostspielig (ca. 600 EUR für vier Wochen) und in der Bundesrepublik nicht verfügbar, kann aber in internationalen Drogerien erstanden werden.

Bisher gab es widersprechende Angaben zu Bacclofen. Der Wirkstoff zur Alkohol-Entwöhnung ist nicht zuletzt durch die Eigenbehandlung eines namhaften US-Kardiologen bekannt geworden, der sich mit extrem hoher Baclofen-Dosis (bis zu 270 mg/d) von seiner Abhängigkeit befreit haben soll. Allerdings können bei Dosen über 120 mg/d erhebliche Nebenwirkungen entstehen, so Warner. Bei Placebo-kontrollierten Entwöhnungsstudien mit geringen Dosen (30 mg/d) konnte die Prüfsubstanz bisher nicht überzeugend sein.

Deshalb betrachtet das Unternehmen das Medikament nur nach eingehender Information und der schriftlichen Zustimmung der Betroffenen als Off-Label-Therapie. Allerdings haben Stoffe wie der 5-HT3-Antagonist Osetron in Untersuchungen noch keine nachhaltige Wirkung gezeigt, berichtete Vodarz. Allerdings wurde die zur Gewichtsabnahme eingeführte Droge nach verstärkter Depression und Selbstmord während der Behandlung vom Handel zurückgezogen.

Aktuell konzentrieren sich die Wissenschaftler auch auf aktive Stoffe gegen stressinduzierende Botenstoffe wie den Stoff P. Die Konzentrationen solcher Botenstoffe werden reduziert, wenn Neurokinin-1-Rezeptoren blockiert werden; in ersten Untersuchungen hat dies auch das Verlangen reduziert. Diese sollen an exzitatorischen Synergien in den Glutaminstoffwechsel einwirken und so das Verlangen lindern. Allerdings sind noch große Untersuchungen mit solchen Stoffen anhängig.

Nicht nur beim Absetzen, sondern auch bei der Rücknahme sind laut Vodarz neue Methoden vonnöten. Clomethiazole oder Benzediazepine werden in der Bundesrepublik nach wie vor als Standardarzneimittel zur Entzugsbehandlung eingesetzt. Oftmals wird auch ein Ersatz von Alkoholika durch benzodiazepines vermehrt, um alkoholgiftige Organschädigungen zu verhindern. Weil bekannt ist, dass benzodiazepines auch ein süchtig machendes Potential haben, könnte die Behandlung auch in einem risikoreichen gemischten Konsum mit Spiritus ausarten.

Vielversprechender könnte der Rückzug mit Hilfe moderner Anti-Epileptika sein. Prägabalin (bis zu 450 mg/d) war in ersten Untersuchungen genauso effektiv wie Lorazzepam (10 mg/d). Prégabalin schwächt spannende glutamatergische und monoaminergische Sendersysteme. Allerdings könne für gabapentin die angestrebte Wirkung in Alkoholentzugstudien von 800 bis 3200 mg/d nicht bestätigt werden, meint er.

Auch interessant

Mehr zum Thema